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Leitfaden · Klassen

CRA-Produktklassen, Konformitätsbewertung und CE-Kennzeichnung

Die Klasse Ihres Produkts nach dem CRA entscheidet, ob Sie die Konformität selbst erklären können oder eine notifizierte Stelle brauchen. Dieser Leitfaden fasst die Klassen, die Bewertungsverfahren und die Schritte bis zur CE-Kennzeichnung zusammen.

Dieser Leitfaden dient nur der Information und ist keine Rechtsberatung. Verbindlich sind die im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlichten Texte.

01Vier Kategorien

Die meisten Produkte mit digitalen Elementen fallen in die Standardkategorie. Produkte nach Anhang III sind wichtige Produkte (Klasse I oder Klasse II), Produkte nach Anhang IV sind kritische Produkte. Maßgeblich für die Klasse ist die Kernfunktion des Produkts: Wer eine Komponente aus einer wichtigen Klasse integriert (zum Beispiel einen Mikrocontroller mit sicherheitsrelevanten Funktionen), bringt das Produkt dadurch allein nicht in diese Klasse (Artikel 7).

KategorieBeispieleGrundlage
StandardkategorieProdukte, die nicht in Anhang III oder IV aufgeführt sind; zum Beispiel viele Sensoren, Haushaltsgeräte und Software für IndustriegeräteArt. 32
Wichtig, Klasse IIdentitäts- und Zugriffsverwaltung, Browser, Passwort-Manager, VPN, Betriebssysteme, Router, Modems für die Internetanbindung und Switches, Mikroprozessoren und Mikrocontroller mit sicherheitsrelevanten Funktionen, Produkte für die intelligente häusliche Umgebung mit Sicherheitsfunktionen (intelligente Türschlösser, Sicherheitskameras, Babyüberwachungssysteme, Alarmanlagen), vernetztes Spielzeug, tragbare Geräte zur GesundheitsüberwachungArt. 7, Anhang III Klasse I
Wichtig, Klasse IIHypervisoren und Container-Laufzeitsysteme, Firewalls, Systeme zur Angriffserkennung und -abwehr, manipulationssichere Mikroprozessoren und MikrocontrollerArt. 7, Anhang III Klasse II
KritischHardwaregeräte mit Sicherheitsboxen (etwa HSM), Smart-Meter-Gateways, Chipkarten oder ähnliche Geräte, einschließlich SicherheitselementeArt. 8, Anhang IV

Die technischen Beschreibungen der Kategorien aus Anhang III und IV stehen in der Durchführungsverordnung (EU) 2025/2392. Ziehen Sie diese bei der Einstufung zusammen mit der Kernfunktion Ihres Produkts heran. Für eine schnelle erste Einschätzung nutzen Sie unseren Klassencheck.

Beispiele nach Branche: Netzwerk- und Telekommunikationsgeräte (Router und Modems gehören zu Klasse I), Smart Home und Haushaltsgeräte sowie Industrieautomation und Elektronik.

02Welches Konformitätsbewertungsverfahren?

Artikel 32 legt fest, welche Verfahren für die einzelnen Kategorien zulässig sind. Die Module sind in Anhang VIII definiert:

  • Modul A (interne Kontrolle): Der Hersteller bewertet die Konformität selbst und erklärt sie.
  • Modul B + C (EU-Baumusterprüfung und Konformität mit dem Baumuster auf der Grundlage einer internen Fertigungskontrolle): Eine notifizierte Stelle prüft das Baumuster des Produkts; der Hersteller stellt sicher, dass die Fertigung diesem Baumuster entspricht.
  • Modul H (umfassende Qualitätssicherung): Eine notifizierte Stelle bewertet das Qualitätssicherungssystem des Herstellers, genehmigt es und überwacht es.
KategorieZulässige Verfahren
StandardkategorieModul A (oder wahlweise B + C oder H)
Klasse IModul A, wenn harmonisierte Normen, gemeinsame Spezifikationen oder eine europäische Cybersicherheitszertifizierung mindestens der Vertrauenswürdigkeitsstufe „mittel“ vollständig angewandt wurden; andernfalls B + C oder H
Klasse IIModul B + C, Modul H oder, soweit verfügbar, eine europäische Cybersicherheitszertifizierung mindestens der Vertrauenswürdigkeitsstufe „mittel“
KritischEine europäische Cybersicherheitszertifizierung, wenn ein delegierter Rechtsakt dies vorschreibt; andernfalls die Verfahren der Klasse II

Für freie und quelloffene Software, deren technische Dokumentation öffentlich zugänglich ist, steht Modul A auch in Klasse I und II offen (Artikel 32).

Die Bestimmungen über notifizierte Stellen gelten seit dem 11. Juni 2026. Planen Sie für Produkte der Klasse I ein, dass bis zur Veröffentlichung harmonisierter CRA-Normen eine notifizierte Stelle erforderlich sein kann.

03Schritte bis zur CE-Kennzeichnung

  1. Anwendungsbereich und Klasse: Prüfen Sie, ob es sich um ein Produkt mit digitalen Elementen handelt, ob eine sektorale Ausnahme greift und in welche Kategorie es fällt (Anwendungsbereich).
  2. Bewertung der Cybersicherheitsrisiken: eine dokumentierte Bewertung, die zeigt, wie die Anforderungen aus Anhang I auf Ihr Produkt angewandt werden (Artikel 13).
  3. Anhang I erfüllen: Produkteigenschaften (Teil I) und Prozesse zur Behandlung von Schwachstellen (Teil II), einschließlich einer SBOM.
  4. Unterstützungszeitraum festlegen: Er spiegelt die erwartete Nutzungsdauer wider, beträgt in der Regel mindestens fünf Jahre und wird zum Zeitpunkt des Kaufs klar angegeben (Artikel 13).
  5. Konformitätsbewertung: je nach Kategorie Modul A, B + C oder H.
  6. Technische Dokumentation (Anhang VII) und EU-Konformitätserklärung (Artikel 28, Anhang V): Aufbewahrung für 10 Jahre oder für den Unterstützungszeitraum, je nachdem, welcher Zeitraum länger ist (Artikel 13).
  7. CE-Kennzeichnung anbringen (Artikel 30) und dem Produkt die Informationen und Anleitungen für den Nutzer nach Anhang II beifügen.

Wenn Sie diese Schritte gemeinsam mit uns an Ihrem Produkt durchgehen möchten, sehen Sie sich unser Pilotprogramm an.

04Häufige Fragen

Mein Produkt enthält einen Mikrocontroller mit sicherheitsrelevanten Funktionen. Ist es jetzt ein Produkt der Klasse I?

Nicht allein dadurch. Die Klasse richtet sich nach der Kernfunktion des Produkts; die Integration einer Komponente aus einer wichtigen Klasse bringt das Produkt nicht in diese Klasse (Artikel 7).

Brauche ich für ein Produkt der Standardkategorie eine notifizierte Stelle?

Nein. Die interne Kontrolle nach Modul A reicht aus. Die Verantwortung für die Erfüllung aller grundlegenden Anforderungen und für die technische Dokumentation liegt weiterhin beim Hersteller.

Was gilt, wenn es für mein Produkt der Klasse I noch keine harmonisierte Norm gibt?

Modul A kann nicht genutzt werden; über Modul B + C oder H wird eine notifizierte Stelle einbezogen.

Wie lange muss ich die technische Dokumentation aufbewahren?

10 Jahre nach dem Inverkehrbringen des Produkts oder für den Unterstützungszeitraum, je nachdem, welcher Zeitraum länger ist.

Sprechen wir über diesen Prozess für Ihr Produkt

Lernen Sie unser Pilotprogramm für Unternehmen kennen: Es erstellt die SBOM Ihrer Firmware, priorisiert Schwachstellen und überwacht die Fristen nach Artikel 14.